Über uns

In den letzten Jahren ist nicht nur im Kontext der vor allem in Österreich sehr unklaren Frage der Nachwuchsbildung im Tanz das Bedürfnis nach einer Idee der Akademie für Tanz und Performance laut geworden. Motivation hierfür ist zunächst ein evidenter Mangel: Performancetheorie hat an keiner Universität einen institutionellen Standort und das weitere Spektrum der performativen Ästhetik wird auch praktisch nicht gelehrt. Kleinere, temporäre und transdisziplinäre Netzwerke können diesen Mangel nicht wettmachen, sie können nicht die Aufgabe erfüllen, die ehemals die Zivilgesellschaft sich als staatlich finanzierte und garantierte Institution zur Pflicht gemacht hätte. Allerdings kann eine derartige Quasi-Akademie auf Zeit genau das Absterben der Öffentlichkeit, genau das Schwinden der staatlichen Institutionen zu ihrem Thema machen und den Spielraum der so entstandenen Grauzonen aus Kommerzialisierung, halbprivater Öffentlichkeit und mehr oder minder geduldeter Freiräume zur eigenen Produktions- und Forschungsstätte machen. Hier ginge es dann nicht um den Ruf nach der Wiederherstellung früherer Formen der staatlichen oder urbanen Öffentlichkeit, sondern um das Entdeckung schon vorhandener Modi des Öffentlichen in der gegebenen Misch- und Gemengelage. Zudem kann eine solche „Akademie“ auch auf einer Grundmethode beharren, für die die bestehenden Wissens- und Bildungseinsrichtungen zumindest in Wien bzw. Österreich wohl noch auf lange Sicht keinerlei Handhabe bieten. Sie kann nicht bloß Theorie als Vorschule der Praxis unterrichten oder Kritik als Nachbehandlung der Praxis fördern, sondern einen permanenten Austauschprozess beider initiieren, der durch diese permanente Dynamik auch die scheinbaren Grenzen dieses allzu vertrauten Begriffspaares herausfordert. Ist verbale Kommunikation, Büroarbeit, Computerarbeit, Fernsehen immer praxisfern? Spielt sich bei jedem Training der Körper so in den Vordergrund, dass die Theorie, das intensive Durchdenken notwendig ruht? Würde eine philosophische Lesung während einer tänzerischen Übung nicht durchaus auf aufnahmefähige Ohren treffen?

Diese „Akademie“ macht es sich also zur Aufgabe, hybride, von Theorie getränkte Praktiken und von Praxen durchzogene Theorieformen anzulegen, die dennoch mit Personen aus arbeitsteiligen Zusammenhängen umgehen kann und keine SpezialistInnen für alles herausbilden will.

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